Dokumentation

Kurzsuechtig 2011

  • 12 Jahre

    2010/2011, Regie: Widukind Zenker und Juliane Vent

    „12 Jahre“ ist ein filmisches Dokument über das Leben Mohammad Fravanis in einem Asylbewerberheim am Rande der Stadt Leipzig. Aus politischen Gründen ist eine Rückkehr in seine Heimat, der Iran, einerseits unmöglich, andererseits verhindert die Asylgesetzgebung seine Integration in die deutsche Gesellschaft. Mohammad Fravani lebt in diesem „Zwischenraum“ bereits seit 12 Jahren. Die Realisation des Kurzfilms im Rahmen eines internationalen Seminars wurde durch ein Drehverbot seitens des Leipziger Ordnungsamtes (welches die Ausländerbehörde integriert) erheblich erschwert. Das Umgehen des Verbots als Form des zivilen Ungehorsams spiegelt sich in der filmischen Ästhetik wieder. Mohammad Fravani trug durch seine eigenen Fotografien, realisiert mit einer „Einwegkamera“, maßgeblich zur Gestaltung des Films bei. Dieser Film gibt ihm das Wort, um seine Geschichte zu erzählen.
  • Africa Light / Gray Zone

    2010, Regie: Tino Schwanemann

    Afrika`s Natur ist voll an Farbenpracht. Ein kunterbuntes Erlebnis! Die gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Probleme des Kontinents jedoch sind ungesättigt. Weder schwarz noch weiß, viel mehr endlos grau.

    `Africa Light`- so nennen die weißen Einheimischen Namibia. Der Name suggeriert Romantik, Schönheit der Natur und Problemlosigkeit in einem Land, in dem der Unterschied zwischen Arm und Reich kaum größer sein kann.

    Der Film “Africa Light – Gray Zone“ erzählt die Geschichte eines Landes, das repräsentativ für einen ganzen Kontinent und dessen Entwicklung steht.
  • Baba

    2010 2011, Regie: Waya Shirkhan

    Weihnachten in Essen. Der 60-jährige Azizollah empfängt seine Tochter in seiner 1-Zimmerwohnung. Auf engstem Raum verleben sie die Festtage. Eine dichte Collage gewährt einen Einblick in das intime Beziehungskonstrukt zwischen Vater und Tochter. Gefühlvoll werden Themen wie Heimat, Herkunft und Identität angerissen. Im Zentrum steht ihre gegenseitige Erwartungshaltung.
  • Benidorm - das verlorene Paradies

    2010, Regie: Nicole Strasser

    Sonja und Marina verbringen, wie mehr als 5 Millionen andere Menschen ihren wohlverdienten Urlaub in den Bettenburgen von Benidorm. Sie können nicht alle einen komplett schlechten Geschmack haben und verrückt sein. Oder doch?

    Benidorm ist besonders. Es gibt keine andere Stadt auf der Welt, welche sich so in einer so kurzen Zeit von ca. 15 Jahren von einem kleinen Fischerdorf zu einer riesigen Touristenbettenhochburg entwickelt hat.

    „Zimmer mit Meerblick“, das bekommt man heute in nahezu jedem Hotel in dieser spanischen Stadt an der Costa Blanca, da sie sehr dicht an die beiden insgesamt sechs Kilometer langen Strände gebaut ist. Sie ist die Stadt mit den meisten Wolkenkratzern pro Einwohner und nach Manhattan die Stadt mit den meisten Hochhäusern pro Quadratmeter. Nicht ohne Grund nennt man sie Beniyork oder Benihattan. Kaum ein anderer Badeort in Europa hat eine solch hohe Hotelauslastung über das ganze Jahr hinweg. Nur allzu menschliche Bedürfnisse können hier sehr preisgünstig befriedigt werden: Sonne, Strand, Sex und Sangria. Die Touristenmassen fallen jedes Jahr in Scharen ein. Sie kommen, um sich frei zu fühlen und Dinge zu tun, die sie zu Hause nie tun würden.
  • Bettinas Job

    2010, Regie: Patrick Richter

    Bettina ist unzufrieden. Umgeben von Armut, Krankheit und Tod, versucht sie ihrem Beruf etwas Positives abzugewinnen.
  • Chaja & Mimi

    2009, Regie: Eric Esser

    Chaja Florentin und Mimi Frons sind beste Freundinnen seit 83 Jahren. Geboren und aufgewachsen in Berlin, mussten sie mit ihren Familien 1934 vor den Nazis nach Palästina fliehen. In einem deutschstämmigen Café in Tel Aviv, in dem sie sich täglich treffen, reflektieren sie ihre ambivalente Beziehung zu Berlin.
  • Dein Wille Geschehe

    2011, Regie: Daniel Sager

    Christian Erath steht kurz vor seiner Weihe zum katholischen Priester, mit der er Ehelosigkeit und ein Leben ohne Sex verspricht. Die Enthaltsamkeit meint Christian jedoch nicht als Verzicht zu empfinden. Der Film hinterfragt ein radikales Lebenskonzept und ob der Zölibat im 21. Jhd. noch Bestand haben kann.
  • Der Buddha und die Taube

    2010, Regie: Máté Baksa Soós

    Der Dresdner Maler Eberhard von der Erde setzt sich seit Beginn der 1970er Jahre in seinen Arbeiten mit verschiedenen Themen der Gesellschaft auseinander. Welche Bedeutung haben die Veränderungen in Polen und in der DDR auf sein künstlerisches Schaffen als Maler.
  • Der STROHBÄR

    2011, Regie: Kai Rimbach

    Im dem kleinen Thüringer Bergdorf Steinbach erwacht jedes Jahr im Herbst der Strohbär zum Leben und wird durch die Gassen des Ortes getrieben.
  • Ein Leben als Musiker

    2010, Regie: Stefanie Meyer

    Die Band Rot-Weiß sind eine der dienstältesten Live-Bands aus dem oberen Erzgebirge und sorgen immer noch für Stimmung auf Tanzveranstaltungen. Sie leben für ihre Musik...
  • EINE UMWANDERUNG ENTLANG DES BITTERFELDER WEGES. ÜBER UMWEGE.

    2009, Regie: gottfried binder, juliane richter

    EINE UMWANDERUNG ENTLANG DES BITTERFELDER WEGES. ÜBER UMWEGE.

    Synopsis:

    Ebenso wie die Wirtschaft und Verwaltung, war die Kulturpolitik der DDR zentral organisiert. Seit der Gründung des Staates formulierten mehr oder weniger kompetente Funktionäre Anweisungen, die die Kunst determinierten und die für die Entwicklung der Kultur richtungsweisend sein sollten. `Greif zur Feder, Kumpel! Die sozialistische Nationalkultur braucht dich!`wurde durch Walter Ulbricht zu einer griffigen Parole der 1. Bitterfelder Konferenz 1959.

    Nun gingen Künstler in die Betriebe, um einen Einblick in das wirkliche Leben zu erhalten. Auf der anderen Seite lernten die Werktätigen in Zirkeln, sich künstlerisch auszudrücken. Die Kunst und der Beruf des Künstlers waren nichts Elitäres und jeder körperlich schwer Arbeitende galt als potentieller Schriftsteller. Den Feierabend als Zeit der Muse und des Rückzugs sollte es nicht mehr geben: Auch in der `Zweiten Schicht`wurde gearbeitet. An der Erziehung zu einem besseren Menschen.

    Dieser Film versucht die Ansätze der politischen sowie künstlerischen Positionen der Nachkriegszeit in der DDR und der BRD zu beleuchten und sie in einen gemeinsamen Zusammenhang zu stellen. Großflächige politische Einflußnahme auf die Kulturwirtschaft, auf Künstlerzirkel und in den Fabriken der DDR auf der einen Seite und das zeitlich parallele Bestreben verschiedener Bewegungen, wie Fluxus in der bildenden Kunst, oder der Systemtheorie in der Soziologie in der Bundesrepublik, verschmelzen zu einem generellen gesellschaftlichen Anliegen.

    Der Film bedient sich hierbei öffentlich zugänglichen Materials und verzichtet – bis auf ein zentrales Interview mit Protagonisten eines bis heute bestehenden Malzirkels in Bitterfeld – auf selbst produziertes Material. Selstreferenzialität, Verschachtelung von Erzählebenen, die Thematisierung der Möglichkeiten bzw. Abhängigkeiten der Kunstproduktion, der politisch instrumentalisierten öffentlichen Kunst und nicht zuletzt der Umgang mit fremdem Eigentum im künstlerischen Schaffensprozeß, waren Anlaß, diese Art von Rückschau mittels eines Filmes zu argumentieren.


    Erstaufführung:

    Symposium 50 Jahre Bitterfelder Weg. August 2009 im Kulturpalast Bitterfeld-Wolfen.

    Darsteller:

    Roland Lasch, Juliane Richter, Heinz Zwick, Herbert Ruland, Steffanie Ohle.


    Internetseite:

    http://www.caohom.com/bitterfelderweg

    [mini dv, 2.55:1, farbe, colour/bw, dolby stereo, 36:42, deu/ger 2009]

    Ein Film von Juliane Richter und Gottfried Binder.
  • Eisenbahnstraße - Hinter den Fassaden

    2010, Regie: Widukind Zenker und Franziska Weinhold

    Ein szenischer Einblick in das Leben auf der Leipziger Eisenbahnstraße. Wir sind zu Besuch bei ganz unterschiedlichen Charakteren, die uns das Viertel aus ihrer Sicht vorstellen. Der Film greift auf subtile Art und Weise komplexe Thematiken des Zusammenlebens auf und erzählt von Glück, Gemeinschaft, Vorurteilen, von Vergangenem und Gegenwärtigem.
  • elias

    2010, Regie: Marcus Heep

    Eine Art Coming-of-Age Geschichte, wie sie sich schon millionenmal auf der Welt ereignet hat. Das Leben prasselt heftigst auf eine kleine, junge Familie ein und wahrscheinlich müssen sie auseinandergehen. Daraus entstehen gute Sachen und auch schlimme.
  • Experiment Lust

    2011, Regie: Daniel Herold

    Der österreichische Künstler Günter Platzer beschäftigt sich (wie wir alle) mit den menschlichen Lüsten und Gelüsten. Seine Ausstellung und Performance `Experiment Lust`im Januar 2011 in Leipzig gab den Besuchern eine Plattform, ihre Lüste zu entdecken. Der Film vermittelt einen Eindruck des Künstlers und der Vernissage.
  • H. ein Portrait - eine Stadt

    2010, Regie: Katrin Lindemann

    „Nichts ist unendlich. Die Zeit verändert alles! Sie durchleuchtet jede Phase deines Lebens und lässt sie zu bestimmten Anlässen deutlich vor deinen Augen erscheinen.“ (Helmut Gerth)
    „H.“ erzählt die Lebensgeschichte eines 80 jährigen Mannes. Helmut ist ein ernster Mensch. Viele Steine lagen auf seinem Lebensweg. Nachdem er als Jugendlicher aus seiner alten Heimat Pommern vertrieben wurde, ist er in Erfurt gelandet. Und dort ist er geblieben - 50 Jahre - bis heute.
    Hat er in Erfurt eine Heimat gefunden? Was hat die Zeit mit ihm gemacht?
    Durch seine bildhafte Erinnerung wird ein Stück Stadt-, ein Stück DDR- Geschichte erzählt.
  • HERR ZEH UND DAS HERZ

    2010, Regie: Maria Haase

    Auf Leipzigs Wasseradern pulsiert das Leben. Und mittendrin: Karsten Zeh. Mit jedem Schlag bringt er einen großen Schwapp Wasser zum Strömen. Nur so geht es weiter. Je nach seiner Kraft. Er lebt. Weil er ein neues Herz hat. Und Menschen, die in den richtigen Momenten bei ihm waren. Im selben Boot. Seine Geschichte hat sie zusammengeführt. Schwester Elke, Dr. Barten und Karsten Zeh. Angefangen hatte alles ganz harmlos. Leichte Herzrhythmusstörungen, die dann zu einem bedrohlichen Problem ausuferten. Eine Flut von Ereignissen. Noch heute gerät er ins Strudeln, wenn er sich erinnert…

    Dieser Film erzählt die Geschichte eines Mannes, dessen Leben massiv aus dem Takt geriet.
    Dass für Karsten Zeh heute wieder alles im Fluss ist, verdankt er vor allem einem seltenen Unbekannten. Einem Organspender.
  • Hinter verschlossener Tür

    2011, Regie: Marius Emsel, Barbara Kreuzer und Anja Schaub

    „Hinter verschlossener Tür“ erzählt die Geschichte des DDR-Grenzpolizisten Manfred Smolka. 1958 flieht er in den Westen. Beim Versuch seine Familie nachzuholen, nimmt ihn die Staatssicherheit fest und richtet ihn 1960 wegen Spionage hin. Das SED-Regime vollstreckt die Strafe in der Leipziger Südvorstadt. In der Hinrichtungsstätte werden zwischen 1960 und 1981 mindestens 64 Menschen getötet – darunter NS-Kriegsverbrecher, Sexualstraftäter, aber auch mutmaßliche Spione wie Manfred Smolka.
    Die Todesstrafe steht bis 1987 im Strafgesetzbuch der DDR. Der Prozess gegen Manfred Smolka ist jedoch rechtswidrig. Stasichef Erich Mielke persönlich unterzeichnet den „Vorschlag für die Durchführung eines Prozesses“. Das Strafmaß steht bereits fest: Todesstrafe, „aus erzieherischen Gründen“.
    Die Verbrechen bleiben von der Bevölkerung weitgehend unbemerkt, denn die Stasi hält die Hinrichtungen systematisch geheim. Erst Anfang der 1990er Jahre kommen die Taten ans Licht.
  • Intrusion

    2010, Regie: Alina Cyranek

    Kim Jungyeon und Youngmin Son improvisieren stumm an der geschwungenen Treppe des ‚Henry van de Velde Hauses‘ in Weimar. „Intrusion`ist mehr als eine Tanzaufzeichnung, es verschafft Perspektiven auf ein kraftvolles, impulsives, schwindelerregendes ‚Pas de deux‘ an, auf, über Stufen oder Handläufen. Sie dringen ein in die Architektur, suchen sich, verlieren sich, finden zueinander.
  • Kopfwende

    2010, Regie: Michael Jahn

    Schleusinger Bürger damals und heute. Die um die Wendezeit gemachten Filmaufnahmen sind Grundlage das Films.
    Die gleichen Personen wie im Archivmaterial sind heute erneut zu den Ursachen für die Teilung Deutschlands, die Hintergründe der DDR-Geschichte,
    das Leben der Menschen unter und mit dem SED-Regime befragt worden.
    Die Veränderungen und Wandlungen, die so deutlich gemacht werden, sollen die menschenverachtende Rolle aller fanatischen Ideologien offen legen.
  • LADY LOU

    2010, Regie: Mariana `Mo`Jäger

    A normal day in the life of Lady Lou. Her profession: costume designer, make-up artist, choreographer, promoter, burlesque performer...
  • Leander

    2011, Regie: Karolis Spinkis

    Ein amüsanter Einblick in das Leben eines sympathischen Straßenmusikers der Leipziger Fußgängenzone.
  • Lucky Punch

    2010, Regie: Alina Cyranek

    In dem Stadtteil Weimar West befindet sich der Weimarer Boxclub e.V. Tanja, Altinay und Nathalie sind Mädchen zwischen 14 und 17, die sich regelmäßig zum Boxen treffen.

    Der Dokumentarfilm begleitet die drei Mädchen ein Stück weit auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden und begibt sich mit auf die Su-che nach ihrem Platz in der Gesellschaft.

    Die Porträts beleuchten den sozialen Hintergrund, ihre Freundschaft und die gemeinsame Leidenschaft für den BoxSport.
  • MAY I SPEAK NOW?

    2010, Regie: Alina Cyranek

    Dreizehn Chinesen unterschiedlichen Alters und sozialen Standes beantworten Fragen über ihre Identität, Träume, Hoffnungen und Erwartungen. Die `talking heads`weisen we-der künstlerische Effekte noch vorherbestimmte Schlussfolge-rungen auf; gleichzeitig lehnt der Film jegliche Manipulation der Aussagen ab. Auf diesem Weg enthüllt die Dokumentation persönliche und existenzielle Erfahrungen einer modernen chinesischen Gesellschaft.
  • Müller Marco

    2010, Regie: Marco Gadge

    Müller, Marco, wie er sich selbst vorstellt ist Bergmann in dritter Generation und in der Lausitz aufgewachsen. Im Tagebau weiß man, wie schnell sich die Welt verändert.
    Seit Jahren wird hier mit Abräumbaggern die Landschaft umgegraben. Noch immer wird Kohle gefördert.
    Nachtschicht im Tagebau Welzow Süd. Der 25-jährige Baggerfahrer Marco macht sich zum Dienst bereit. Ein Portrait über sein Leben mit und von der Kohle.
  • Music Box

    2010, Regie: Orisel Castro López (Cuba)

    Du musst warten. Du musst warten auf das Mädchen. Du musst warten auf das Auto. Du musst warten in der Schlange unter der prallen Sonne, mit einem riesigen Kleid, um schließlich Teil eines rostigen Mechanismus`zu sein, der Dich langsam zu Ausgang geleitet, wo Du wieder warten wirst, um zu gehen. Aber dies ist Dein großer Tag und alle Welt möchte ihn perfekt haben und gut aussehen auf dem Foto.
  • Shaolin Kampfkünste - in der westlichen Welt -

    2010, Regie: Stefanie Meyer, Wen Yuxiang

    Asiatischer Kampfsport ist in Deutschland populär. Er bietet Ausgleich und Entspannung und vermittelt zugleich Kampftechniken. Beides sind Fähigkeiten, die Menschen in unsicheren Zeiten brauchen. Der Shaolin Tempel Berlin ist ein Übergangsort zwischen Asien und Europa.
  • Theater der Welt - Willkommen in Halle

    2009, Regie: David Jones

    Freiwillige Darsteller begrüßen Reisende im Hauptbahnhof Halle anlässlich des Festivals `Theater der Welt`2008
  • the[video]Flâneu® shoots auschwitz

    2010, Regie: konstantinos-antonios goutos / the[video]Flâneu®

    the first and extraordinary visit of the [video]Flâneu® and his camera

    in auschwitz


    an exi[l]stencial experience

    through auschwitz II and auschwitz I

    on december 13, 2008, between 11 a.m. and 4 p.m. with a normal digital video apparatus



    without tripod - without camera moves - without zooming

    without special lighting - without extra microphone



    the sound and the length of the shootings are the original

    no moment of the shooting was removed by cutting

    the sequence of the scenes is the same as the shooting was, without any cut or use of effects

    comments, archive material or music was not used
  • Zu wenig zu viel?

    2010, Regie: André Piontek/ Judith Siegmund

    Der rote Faden, der sich durch den Film zieht, besteht aus der Frage: Was bedeutet es, heute und hier arm zu sein? Obwohl es um das Thema Armut in Ostdeutschland geht, gibt es niemanden vor der Kamera, der oder die explizit arm genannt wird.
    Eine Frau von der wir wenig wissen, nur ihre Wohnung sehen, führt uns durch den Film ohne zu sprechen. Ihre Gefühle drückt sie aus in der Art und Weise, wie und wo sie läuft. Sie ist Projektionsfläche einerseits und entzieht sich einfachen Erklärungen und Zuschreibungen andererseits.
    Die Strategie der Annäherung an das Thema ist die des Vergleichens. „Die Arbeitslosen von Marienthal“ – eine Studie über Arbeitslosigkeit und Armut eines kleinen österreichischen Dorfes, die Anfang der 30er Jahre des 20en Jahrhunderts erschien – wird von einer männlichen Sprecherstimme vorgelesen. Das Vorgelesene erscheint gleichzeitig als Schrift auf verpixelten alten Fotos, auf denen Armut als Klischee, so wie wir es auch im Kopf haben, zu sehen ist. In dieser Zeit mußten Arme hungern und frieren, sie hatten keine Schuhe und nichts Anzuziehen. Durch den Wechsel mit Bildern von heute und das Einspielen von Interviewausschnitten, die wir mit Nicht-Armen über Armut führten, wird deutlich, daß die Probleme der Armut heute andere sind als die zum Beginn des 20en Jahrhunderts. Auch das Computerspiel im Vorspann, in dem kokettiert wird mit einer Revolution und Aufständen der Armen zeigt uns ein Klischee, mit dem wir nicht weiterkommen.
    Das Verschwinden des Zeitgefühls, Resignation und Lethargie – Zustände, die auch in der Marienthalstudie beschrieben sind, bleiben zum Schluß als Befund über Armut übrig. Der Film verlangsamt sich, alles beginnt zu verschwimmen.
    Immer wieder werden Bilder von den Nicht-Armen, den Normalen gezeigt. Sie feiern und konsumieren sinnlos, sie verdrängen und kompensieren durch Konsum. Diese Möglichkeit der Verdrängung durch Konsum ist den Armen heute nicht gegeben. Der Ausschluß der Armen aus der Gesellschaft ist nicht der aus einer Öffentlichkeit (die es nicht mehr gibt), sondern aus einer Konsumgesellschaft, in der sich die Menschen über den optimalen Konsum im Privaten bestimmen.