Der Plattenbau prägt das Stadtbild ostdeutscher Ballungsräume. Leipzig ist da keine Ausnahme. Mehr als zwanzig Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner leben in einem Haus dieser Bauart. In der DDR war dieser Wohnraum begehrt. Heute hat die Platte einen eher zweifelhaften Ruf und bietet vor allem einkommensschwachen Haushalten Wohnraum. Vollkommen aus dem Blickfeld geraten umgibt er die Stadt fast ausnahmslos. Wer wohnt in diesem Mikrokosmos?

“Jenseits der Ordnung” versucht diesen opaken Raum zu durchleuchten. Der Film verfolgt die Spuren eines Kunstprojektes mit Kindern, die alle in einem Plattenbau in Reudnitz — einem Stadtteil im Leipziger Osten — wohnen. Ein Ort, der in den 1990er Jahren zunehmend mit negativen Begriffen aufgeladen wurde. Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen arbeiten hier schon längst nicht mehr mit dem Nachwuchs. Über einen Zeitraum von zwei Jahren versuchte das KünstlerInnenkollektiv ongoing project einen Zugang zu den Kindern zu finden. Die zentrale Fragestellung drehte sich um das Fremde. Einen Zugang zum Fremden zu bekommen, den Horizont erweitern, war das Ziel, aber dieses Ziel musste selbst in Frage gestellt werden.

Die Kinder erzählen von ihrer Umgebung und ihrem Alltag, sie erzählen, was sie verändern wollen, sie träumen davon, YouTube-Stars zu werden und wollen am liebsten Videospiele spielen. Am Ende verweigern sie aber auch die Aussage und quatschen Zeug nach, welches sie von ihren Eltern gehört haben. Was denken die Kinder wirklich? Am Ende muss man sich wohl damit abfinden, dass wir Einiges nicht erfahren werden. Wir stehen vor den Kindern wie der Hausvater vor Odradek, der für ihn ein Rätsel ist, das sich nicht auflösen lässt. Damit erzählt “Jenseits der Ordnung” viel über unser Unvermögen, das Andere zu verstehen, aber auch davon, dass Verstehen vielleicht nicht der einzige Zugang dazu ist.

Jenseits der Ordnung Jenseits der Ordnung Jenseits der Ordnung

Informationen

Format:
HD Videofile
Produzent:
ongoing project
Drehbuch:
ongoing project
Kamera:
Saou Tanaka, Daniel Kovalenko, Lars Preisser
Schnitt:
Alexander Bauer
Musik:
Chris Herzog
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Gefördert durch:
Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung, Bundesverband Freie Darstellende Künste